Second Life als Plattform für Kunst und Kultur

Eine virtuelle Welt wie etwa Second Life eignet sich nicht nur sehr gut für Rollenspiele oder zur Realitätsflucht. Beschäftigt man sich ein wenig länger mit der Nutzung, wird man schnell feststellen, dass SL vor allem als Kommunikationsplattform – ähnlich einem Online Chat, IRC oder Skype – genutzt wird. Die virtuelle 3D Realität unterstützt hier sehr stark das Gefühl der Immersion – des dabei seins, in der Szenerie aufgehens. Dieses Gefühl wird sicherlich auch durch die oft mit hohem Aufwand selbst gestalteten Avatare und damit die Identifikation mit diesen, verstärkt. Gerade dieses Gefühl eignet sich aber auch sehr gut um Kunst und Kultur virtuell zu erfahren. Second Life hat einige Eigenschaften, die es zu einer durchaus ernstzunehmenden Plattform hierfür machen.

  • SL hat einen genügend grossen Nutzerkreis, um Publikum für diverse Veranstaltungen bieten zu können. Ein Künstler kann also sowohl InWorld (innerhalb von Second Life), wie auch im “normalen” Internet Publikum ansprechen und erreichen.
  • Die Welt ist thematisch nicht vorgegeben
  • User können ihren eigenen Content generieren (3D-Modelle, Bilder, Streams, Simgestaltung)
  • SL ermöglicht sowohl das streamen eines Shoutcast / Icecast Musik/Sprach-kanals, wie auch Voice Kommunikation der Nutzer untereinander
  • Gesten, Scripte, Mimik, diverse Technologien zur Kommunikation von Objekten mit Avataren ermöglichen einevielfältige InWorld Interaktion

Dienste wie “Artist in the Cloud”1 zeigen, dass es eine erkleckliche Anzahl an – auch deutschen – Künstlern in SL gibt, welche diese Möglichkeiten erkannt haben. Soweit mir bekannt, gibt es derzeit keinen anderen Internet Dienst, der ähnliche Vorteile bietet. Eine mögliche Alternative wären OpenSims. Diese haben derzeit jedoch noch eine zu geringe Nutzeranzahl, um für Künstler interessant zu sein. Denn schliesslich braucht ein Künstler Publikum.

Einige Nachteile der Plattform sind sicherlich:

  • Eine geringe Reichweite. Dienste wie etwa Facebook, Twitter oder eine ganz normale Webseite, ermöglichen es wesentlich mehr Personen anzusprechen.
  • Ein relativ hoher technischer Aufwand um die Plattform nutzen zu können (ein spezieller 3D Viewer ist notwendig)
  • Ein relativ hoher Aufwand zur Einarbeitung in die Nutzung der Client Software
  • Ein – durch die mediale Berichterstattung – tentenziell eher schlechter Ruf

Dennoch wird SL meiner Erfahrung nach für ein vielfältiges kulturelles Leben genutzt. z.B. für:

  • Lesungen – z.B. Brennende Buchstaben2 oder das <<Entschleunigt>>3
  • Live-Music Events4
  • Ausstellungen (Bilder, 3D Kunst etc.)
  • Meetings – wie z.B. die erste deutsche Kulturkonferenz5
  • Theateraufführungen – z.B. das Second Life Theater6
  • Streaming von Hörspielen
  • Streaming von eigenproduzierten Radio- und Videosendungen – z.B. Secondradio.de7


Live Music in SL

Wer nun Lust bekommen hat sich in SL ein wenig umzusehen, sei darauf hingewiesen, dass ich seit einigen Monaten selbst Lesungen, Ausstellungen und Live Music Events organisiere. Wer sich hierüber informieren möchte, sollte sich auf der Webseite des Projektes >>Entschleunigt<< http://entschleunigt.alien-worlds.de umsehen. Hier könnt ihr im Eventkalender nachsehen, wann wieder eine Veranstaltung stattfindet oder ein wenig in den Reviews/Artikeln stöbern.

  1. http://www.lovepoetryweb.net/artists/ []
  2. http://brennendebuchstaben.blogspot.com/ []
  3. http://entschleunigt.alien-worlds.de/ []
  4. http://wiki.secondlife.com/wiki/Live_Performances – Second Life Wiki Eintrag: Live Performances []
  5. http://brennendebuchstaben.blogspot.com/2011/01/protokoll.html – Erste deutsche Kulturkonferenz in Second Life []
  6. http://www.buehne-ueberlingen.de/second-life-theater/second-life-theater.html []
  7. http://www.secondradio.de/ []

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