Ablauf einer Videoprüfung an der FernUniversität Hagen

Da ich im Laufe meines Fernstudium auch eine Videoprüfung mitgemacht habe und davor noch ein Stück mehr aufgeregt war als sonst, weil ich nicht wusste wie soetwas abläuft, scheint es mir ganz nützlich hier mal einen Erfahrungsbericht zu geben. Mögen meine Nachfolger/-innen also besser informiert sein :-)

Videoprüfungen sind grundsätzlich immer dann eine Alternative, wenn man für eine mündliche Prüfung, z.B. einer Fachprüfung, eigentlich nach Hagen fahren müsste. Manche Studenten haben aber entweder nicht das Geld, um Anfahrt und Übernachtung zu bezahlen, oder aber Ihnen fehlt die Zeit.
Bei einer Anfahrt von München, sind z.B. locker zwei Arbeitstage einzukalkulieren. Ganz ohne Kosten geht jedoch auch eine Videoprüfung nicht. Es werden sowohl 45 EUR für das Studienzentrum, sowie nochmal 45 EUR von der FernUni aus fällig. Das solltet ihr also immer einkalkulieren.

Vorab muss geklärt werden, ob

  • das nächste Studienzentrum überhaupt die Möglichkeit hat, eine Videoprüfung durchzuführen (Studienzentren der FernUni)
  • der Prüfer gewillt ist eine Videoprüfung zu halten.

Das mit dem Prüfer ist immer so eine Sache. Manche halten Videoprüfungen nur ab, sobald der Student aus dem Ausland kommt, andere halten grundsätzlich keine ab und wieder andere sind eigentlich immer bereit diese Prüfungsart zu machen. Gerade im Studiengang Informatik gibt es da wohl zwei Fraktionen die das unterschiedlich handhaben.
Das Lehrgebiet “Intelligente Informations- und Kommunikationssysteme” (Prof. Helbig) ist aber zum Beispiel zu so einer Prüfung bereit. Gehört hier wahrscheinlich zum Jobprofil. Fragt also auf jeden Fall nach und versucht es auch mal mit einem der alternativen Prüfer.

Danach läuft alles wie bekannt ab. Also Termin mit dem Professor bzw. Prüfer und in diesem Fall dem Studienzentrum abklären und per Formular anmelden.
Bei mir war das so, dass ich zuerst beim Professor angefragt habe und anschliessend haben das Studienzentrum München und das Sekretariat des Fachbereiches einen Termin ausgehandelt. Für die Durchführung und als Beisitzerin in Müchen ist übrigens derzeit Fr. Renate Heese zuständig. Das Formular zur Anmeldung einer mündlichen Prüfung konnte dann direkt bei Fr. Heese abgegeben werden. Diese hat es dann an die FernUni weitergeleitet. Von der Uni erhält man nach ca. 3 Wochen eine Terminbestätigung zusammen mit einem Formular, welches man zusammen mit einem Lichtbildausweis, dem Studentenausweis und einem Nachweis der Gebührenüberweisung zur Prüfung mitbringen muss.

Der Prüfungsraum ist momentan das Zimmer 006 im Studienzentrum in der Arcisstrasse 19. Wer hier eine riesige Videoleinwand mit professionellen Kameras und eine Art Prüfungssaal erwartet, der liegt vollständig falsch. Zumindest in München ist die Technik verblüffend “normal” und trotzdem völlig ausreichend. Dazu folgt nachher noch eine nähere Beschreibung.

Man wird von einem typischen Büro erwartet, wie es in einer x-beliebigen Uni oder Forschungseinrichtung sein könnte. In der Mitte befinden sich zwei zusammengestellte Schreibtische, die ingesamt fast zu gross sind für den kleinen Raum. An den Wänden finden sich einfache Regale mit Unterlagen und Büchern. Jeder der schon mal in solchen Einrichtungen gearbeitet hat, kann sich glaube ich den Raum recht gut vorstellen. (Für ein Bild fehlte mir leider die Kamera :-( )

Als Monitor dient ein Wacom Tablett mit integriertem (geschätzt 15 oder 17 Zoll) TFT Bildschirm und Stift. Ein Beispiel dafür ist z.B. das Wacom Cintiq 21UX. Das Modell in München dürfte ein oder zwei Generationen älter sein und ist etwas angeschlagen, erfüllt jedoch seinen Zweck. Dazu kommt noch eine handelsübliche Webcam und eine Kopfhörer/Mikrofon Kombination. Die eingesetzte Software hat ein integriertes Whiteboard und erlaubt es eine Video-/Sprachverbindung aufzubauen.

Frau Heese ist übrigens sehr nett. Während sie die Verbindung mit der Gegenstelle aufbaut und überprüft, unterhält sie sich mit einem, was durchaus hilft die Nervosität abzubauen. Sobald alles funktioniert, übergibt sie die Verbindung und man kann erstmal die Stift/Bildschirm/Whiteboard Kombination austesten. Das Schreibgefühl ist eigentlich recht angenehm und die Software auch nicht allzu schwierig zu bedienen. Auf jeden Fall sollte es keine grossen Probleme bereiten eine Skizze zu zeichnen oder Formeln darzustellen. Das Videobild ist ein wenig klein, ich schätze mal 640×480, vielleicht auch etwas kleiner. Es ist auch ein wenig körnig. Hier könnte man die Qualität noch ein wenig verbessern. Ton und Lautstärke können ebenfalls noch eingestellt werden. An dessen Qualität kann man jedoch nichts aussetzen. Die Übertragung findet komplett über das Internet statt. Zumindest während meiner Prüfung kam es zu keinen Aussetzern oder Schwierigkeiten. Im Notfall würde jedoch ein Telefon als letzte Ausweichmöglichkeit zur Verfügung stehen.

An der Gegenstelle befindet sich übrigens neben dem Professor ebenfalls noch ein Beisitzer, der das Protokoll führt. Fr. Heese dient in München “nur” als Aufsichtsperson und stellt sicher, dass alles ordnungsgemäss abläuft. Danach geht es auch schon los mit der Prüfung, die dann wie gehabt zwischen 15 bis 30 Minuten dauern kann (in meinem Fall waren es 30).

Für die, die das noch nie mitgemacht haben. Es handelt sich um ein Frage/Antwort Muster. Der Prüfer reisst ein Themengebiet des Stoffes an und stellt Fragen hierzu. Die meiste Zeit ist man natürlich damit beschäftigt die Antworten auszuführen. Bei Problemen gibt der Prüfer auch durchaus mal einen kleinen Hinweis oder formuliert die Frage um. Teilweise kann sich auch eine Unterhaltung nicht unähnlichem einem Fachgespräch entwickeln.

Anschliessend schaltet der Prof. erstmal die Leitung stumm und berät sich mit dem Beisitzer, was je nach Fall zwischen ein paar Sekunden und ein paar Minuten dauern kann. Danach wird die Note bekannt gegeben und begründet. Fehler, Probleme und Schwächen werden dabei ebenso angesprochen, wie auch Dinge die gut gelaufen sind. Das war es dann schon und die Verbindung wird abgebaut.

In München ist es wohl so, dass es viele Nachfragen nach Videoprüfungen gibt, die wohl nicht alle durchgeführt werden können. Der Grund ist ein schlichter Kapazitätsmangel, da Fr. Heese derzeit die einzige Person ist, die diese Art von Prüfung begleitet und wie alle Studienzentrumsmitarbeiter nur halbtags da ist. In nächster Zeit wird aber wohl noch ein Kollege dazu kommen, der dann für die zusätzliche Arbeitszeit auch von den Prüfungsgebühren entlohnt werden kann. Danach sollte der Engpass der Vergangenheit angehören.

Es war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, die mir viel Zeit und bei meiner weiten Anreise nach Hagen auch Geld gespart hat. Vielleicht ist es für einige weniger stressig, wenn sie die Prüfung in einem Studienzentrum in der Nähe ihres Wohnsitzes machen können. Auch denke ich, dass diese Prüfungsart einer FernUni gut zu Gesicht steht. Reine schriftliche Tests sind sicher nicht immer ausreichend. Gerade in einem Studium nicht.
Da an der FernUni mündliche Prüfungen neben Seminaren eine der wenigen Möglichkeiten zum persönlichen Kontakt zwischen Professor und Student darstellen, sind einige gegenüber Videoprüfungen etwas skeptisch eingestellt. Ich denke aber, dass es keinen grossen Unterschied macht. Durch die Videoübertragung hat man die notwendigen visuellen Rückmeldungen die man braucht. Ich konnte jedenfalls keinen grossen Nachteil entdecken und rate jedem dazu es zumindest einmal zu versuchen.

Ich wünsche jedem, der nach mir auf einem dieser kleinen Bürodrehstühle sitzt und sich verzweifelt versucht an z.B. den dritten Absatz in der 4. Kurseinheit zu erinnern viel Erfolg! Denkt immer daran, dass die Profs wohlwollender urteilen als sie in der konkreten Prüfungssituation vielleicht erscheinen mögen. ;-)

7 comments to Ablauf einer Videoprüfung an der FernUniversität Hagen

  • Hallo Joachim, danke für diesen sehr lebendigen Bericht. Ich kann mir nun schon ganz gut vorstellen, wie so etwas abläuft. Auch wenn ein Foto vom Prüfungsraum natürlich noch besser gewesen wäre ;-) Auf jeden Fall sehr fortschrittlich, dass die staatliche FernUni so etwas anbietet. Bei den Privaten ist dieser Weg meines Wissens nicht möglich. Viele Grüße Markus

  • admin

    Hallo Markus,
    ein Foto hätte ich ja gerne gemacht, aber ich hatte damals in der Aufregung mein Handy vergessen. ;-)

  • Oli

    Hallo,

    sehr interessanter Artikel. Bis eben hätte ich nicht gedacht, dass es so etwas überhaupt gibt.

    Grüße
    Oli

  • >> Ich wünsche jedem, der nach mir auf einem dieser kleinen Bürodrehstühle sitzt und sich verzweifelt versucht an z.B. den dritten Absatz in der 4. Kurseinheit zu erinnern viel Erfolg!

    Dein Bericht ist ja vom letzten Jahr; mich würde allerdings interessieren, ob die Videoprüfung immer noch genauso abläuft, ob sich die Qualität verbessert hat etc. Fall jemand Bescheid weiß, kann er sich gerne bei mir melden (siehe Website).

    Grüße,
    C.

  • Hey Markus,

    ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen, interessanter Artikel! Ich wusste auch nicht, dass die Fernuni überhaupt Videoprüfungen durchführt. Im Hinblick auf die Fahrkosten sicherlich eine Alternative. Aber ich persönlich wäre wahrscheinlich sowas von aufgeregt, dass ich freiwillig von Hamburg nach Hagen fahren würde ;) !

    Viele Grüße,

    Alicia

  • Lampenfieber

    Hallo Joachim,
    ein interessanter Bericht. Toll, was es heute an technischen Möglichkeiten gibt. Obwohl an vielen Unis das Thema eLearning irgendwie präsent ist, scheint hier eine Fernuni die Nase vorn zu haben. Eine Prüfung über Internet mit Video – cool. Hat man vor so einer Prüfung dann auch weniger Lampenfieber ?

  • Vielen für diesen interessanten Erfahrungsbericht. Dieses Thema müssen wir auf unserem Portal auch noch aufbereiten. Toller Einblick!

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