(Open Source) Software Projekt Börsen

Programmierer und auf der Suche nach einem Projekt, aber keine Lust die Arbeit ohne Entlohnung zu machen? Vielleicht eher ein kreativer Kopf mit einer Idee für eine Software und dem Willen dafür auch einen Preis zu zahlen?
Dann sind COfundOS oder microPledge geeignete Plattformen auf denen man sich umsehen sollte. Nebenbei ist es vielleicht auch ganz interessant zu sehen, was eine europäische Universität und ein neuseeländisches Unternehmen aus der gleichen Idee machen.

COfundOS

Ganz der Idee des Social Web und Semantic Web verpflichtet ist cofundos.org. Betrieben wird die Plattform von der “Agile Knowledge and Semantic Web Research Group” (AKSW) von der Abteilung “Business Information Systems” an der Universität Leipzig.

Jeder der eine Idee für ein Open Source Projekt hat, kann diese Idee auf der Plattform einstellen. Andere Personen können die Projektbeschreibung erweitern und Kommentare hinterlegen. Teilnehmer die genau so eine Software benötigen können einen Betrag angeben, den sie gewillt sind einem Entwickler nach Abgabe der auf diese Beschreibung passenden Software zu spenden. Entwickler können auch hinterlegen zu welchem Preis sie gewillt wären eine entsprechende Software zu entwicklen. Sobald die Summe aller Spenden das erste Angebot eines Entwicklers überschreitet, startet eine 3 wöchige Phase in der andere Entwickler alternative Angebote einreichen können.
Nach Ablauf dieser Phase können alle Personen, die Spenden Angebote eingereicht haben, über die Angebote der Entwickler abstimmen. Gewonnen hat der Entwickler mit den meisten Stimmen. Eine ähnliches Verfahren findet dann noch einmal statt, sobald der Entwickler die Software zur Begutachtung freigibt. Abhängig von diesem Ergebnis wird dann entweder bezahlt oder eine Nachbesserung gefordert.

Ausführlicher ist der Ablauf auf der Seite “How does it work?” von cofundos.org beschrieben. Wichtige Einschränkung ist, dass jeder Software die im Rahmen der Plattform entwickelt wird, unter einer OSI Open Source Lizenz veröffentlicht werden muss. Die Ideen und Beiträge auf COfundOS stehen unter einer Creative Commons Attribution 2.0 Lizenz.

Ein paar weitere Hintergrundinformationen finden sich auch auf dem Blog der AKSW Group in einem Beitrag von Sören Auer. Die Plattform setzt übrigens auf vollständige semantische Unterstützung. So ist ein Teil des Inhalts per JSON oder RDF zugreifbar. OpenID darf ebenfalls nicht fehlen.

microPledge

Pledge bedeutet Zusicherung. to pledge also, dass etwas zugesichert wird. In diesem Fall sichert eine Person einer bestimmten Projektidee einen Betrag zu, den sie gewillt ist zu zahlen, sobald die Software entwickelt wird.
Die Idee ist ganz ähnlich zu der von COfundOS. Jedoch ist es hier auch möglich proprietäre und closed source Software zu entwickeln und Zwischenzahlungen zu erhalten. Der Zuschlag für einen bestimmten Entwickler scheint auch etwas weniger demokratisch von mikroPledge und nicht von den Bietern getroffen zu werden.

Der Ablauf ist wie folgt. Jemand hat eine Idee (hier “Dreams” genannt) für eine Software und veröffentlicht diese auf micropledge.com. Hier kann auch gewählt werden ob es sich um
  • Open Source (Programm und Quellcode sind frei)
  • Closed Source (Programm muss für jeden frei herunter zu laden sein)
  • Proprietäre Software (nur Leute die einen “Pledge” eingereicht haben bekommen die Software umsonst, alle anderen müssen diese vom Entwickler kaufen)

handeln sollte.

Jeder der ein Interesse an der Realisierung dieser Software besitzt kann zu der Idee einen selbst gewählten Betrag hinterlegen, die er gewillt ist zuzusichern. Ein Kommentar kann natürlich ebenfalls hinterlegt werden. Falls der Entwickler eine proprietäre Software entwickelt, kann er auch einen Minimum-Betrag verlangen.

In einer 14-tägigen Angebotsphase können nun Angebote zur Realisierung abgegeben werden. mikroPledge sieht auch einen Weg vor, dass nur derjenige der eine Idee abgegeben hat auch das Angebot für eine Realisierung abgeben kann (z.B. für proprietäre Software).
Ist der Entwickler nach Ablauf der Angebotsphase der Einzige, der ein Angebot abgegeben hat, so kann er auf einen weiteren Anbieter warten oder aber den Bietprozess beenden und somit Entwickler der Software werden. Liegen mehrere Angebote zur Entwicklung vor, so entscheidet microPledge nach einem nicht näher beschriebenen Verfahren. Sogenannte Credits, die sich erhöhen, sobald eine Entwicklung erfolgreich abgeschlossen wurde bzw. erniedrigen, sobald eine Entwicklung vorzeitigt abgebrochen wurde, spielen hier in die Entscheidung mit hinein. Sobald die Entwicklung beginnt, werden die Pledges auf einen “Trust Account” eingezahlt, der von mikroPledge verwaltet wird.

Ein wichtiges Feature wird “progress payment” genannt. Entwickler können einen bestimmten Stand der Entwicklung ausweisen. (z.B. 50%) und die Software, Demos usw. in diesem Zustand zur Ansicht anbieten. Alle Personen die einen Pledge anbieten, müssen dann innerhalb von 3 Tagen abstimmen ob sie den Projektfortschritt ebenfalls so sehen. Falls dies der Fall ist, wird ein entsprechender Betrag aus den Zusicherungen ausgezahlt. Bei einem Projektstand von 50% also 50% des insgesamt zugesicherten Betrags.

Um Ideen zu schützen wird ein Incubator genanntes Verfahren eingesetzt. Dies geschieht durch zwei Massnahmen. Zuerst einmal kann “prior art” in Anspruch genommen werden. Hierzu muss eine genaue Beschreibung der Idee hinterlegt werden. Diese wird dann auf der mikroPledge Gazette veröffentlicht. Dadurch soll verhindert werden, dass die Idee durch eine andere Person patentiert wird.
Zum Zweiten kann für 20$ eine 8-monatige Zeit vereinbart werden, in der nur der Ideengeber die Idee auf microPledge nutzen kann. Wird ein anderes Projekt auf mikroPledge veröffentlicht, das eine so geschützte Idee nutzen möchte, so kann dieses Projekt herausgefordert (challenge) werden. Ein Schiedsrichter von mikroPledge entscheidet dann welche Idee zuerst veröffentlicht wurde.
Mir persönlich kommt dieses Verfahren ein wenig zweifelhaft vor. Ob es sich bewährt wird wohl die Zukunft zeigen müssen.

Eine genauere Beschreibung des ganzen Ablaufes findet sich auf der Hilfeseite von microPledge.

Fazit

Beide Seiten sind noch im Aufbau. microPledge wurde Mitte 2007 gestartet und hat somit einen zeitlichen Vorsprung. Auf microPledge finden sich derzeit (Stand 23.10.2007) ca. 120 Projekte, davon sind die Meisten noch mit “waiting for quotes”, also ohne Angebote von Entwicklern, gekennzeichnet. COfundOS wurde am 17.10.2007 gestartet und befindet sich somit ganz am Anfang. Hier finden sich momentan 23 Projekte.
Persönlich vermute ich, dass COfundOS auf Dauer das Rennen machen wird, eben weil die Idee etwas näher am Grundgedanken des Mitmach-Web angesiedelt ist und mehr den Geist von Open Source Entwicklern trifft. microPledge erscheint mir schon von den Regeln ein wenig zu firmenzentriert und komplex zu sein. Dennoch kann man sich auch täuschen. Die Zeit wird uns verraten, welche Plattform auch noch in 3 Jahren wohlauf ist.

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