Wissensmanagement light – Tools für den (privaten) Desktop

Wissensmanagement klingt immer sehr mächtig. Konzerne, Institute, Behörden, NGOs und andere grosse Einrichtungen machen so etwas, der Privatanwender eher weniger. Doch warum eigentlich? Jeder von uns sammelt im Laufe der Zeit eine Unmenge an Daten und auch an Informationen und Wissen an. Seien es Webseiten, Links, Dokumente (pdf, doc usw.) aller Art, Bilder, Videos, Adressen, E-Mails, News-Beiträge uvm. Diese Dokumente wurden entweder einmal zur Lösung einer Aufgabe (Einkommenssteuererklärung stellen, Fragen zu einem bestimmten Problem klären, HowTo für ein Computerproblem zur Sicherheit gespeichert uvm.) herausgesucht, einfach nur aus Interesse gesammelt oder aber selber generiert.
All dieses Wissen kann für ein neues Problem wieder relevant werden und entweder als Informationsbasis oder auch als Vorlage zur Lösung des neuen Problems dienen. Obwohl Wissen1, Information2 und Daten3 durchaus Begriffe sind, die es “in sich” haben – wer möchte, kann sich die Links zu den entsprechenden Begriffsdefinitionen gerne mal ansehen (Kaffee nicht vergessen bereitzuhalten!) – und Wissensmanagement4 mehr umfasst als das reine Verwalten von Informationen, soll es in diesem Artikel um Tools gehen, die uns helfen folgende Aufgaben besser zu erledigen:

  • (Strukturierte) Dokumente zu erstellen, die im Privatbereich eher unüblich sind, obwohl sie auch dort einen grossen Nutzen haben können – z.B. Mindmap Programme, Gantt-Diagramme
  • Gesammelte oder selbst erstellte Daten strukturiert – d.h. vor allem geordnet – zu erfassen
  • Über die so generierten und abgelegten Dokumente/Daten eine Suche durchführen zu können

1. Informationen sammeln

ScrapBook
Mithin eine der wichtigsten Informationsressourcen ist inzwischen das World Wide Web geworden. Hier findet sich eigentlich für jedes Problem mehr oder weniger viel an Informationen. Scrapbook5 ist ein sehr praktisches Firefox Add-On, das ich schon mehrfach für Recherchen eingesetzt habe. Mit diesem Add-On kann man

  • Ausschnitte, wie etwa Textschnipsel, Bilder, PDFs uvm. Bereiche einzelner Webseiten, eine Webseite und auch ganze Websites herunterladen
  • die Informationen in einer Sidebar in Ordnern und Unterordnern ähnlich wie Bookmarks organisieren.
  • Kommentare hinterlegen (nicht nur zum ganzen Dokument, sondern auch direkt an der jeweiligen Stelle in der Webseite)
  • Notizen ähnlich Opera Notes anlegen
  • Interessante Stellen markieren (dauerhaft, bei erneutem Öffnen sind diese Textstellen wie mit einem Marker z.B. gelb hinterlegt)
  • eine Volltextsuche über die so gespeicherten Informationen durchführen

Scribble Papers
Scribble Papers6 ist leider nur für Windows erhältlich und stellt einen digitalen Zettelkasten dar. Was sich zuerst “irgendwie veraltet” anhört, ist in Wirklichkeit eine praktische und effektive Möglichkeit Arbeiten/Projekte in einer übersichtlichen Struktur zu erfassen und zu verwalten. Dass das Programm schon seit über 6 Jahren kontinuierlich entwickelt wird, merkt man ihm auch an. Funktionen sind:

  • Verwalten der Notizen in Ordnern
  • Links auf andere Notizen, Dateien, Verzeichnise, WWW-Dokumente
  • Statusvergabe für Seiten/Notizen
  • Volltextsuche
  • Drag’n Drop, lauffähig auf einem USB-Stick, OLE-Support, Verlaufshistorie uvm.

Ein ähnliches Programm ist CueCards. CueCards 20007 ist Freeware, es existiert aber auch eine mehrbenutzerfähige, weiterentwickelte Version von CueCards8, die allerdings kostenpflichtig ist.

Alternativen für Linux sind Tuxcards9, das mit Plugins erweiterbare Tomboy10 und das etwas ungewöhnliche Makagiga11.

2. Personal Wikis/Persönliche Wikis/Desktop Wikis

Eine Alternative bzw. Ergänzung zu den “Notizzettel-Programmen” stellen die sogenannten Personal-Wikis dar. Im Gegensatz zu “normalen” Wikis, welche einen Webserver wie Apache, Perl oder PHP und meist auch eine Datenbank wie MySQL voraussetzen (Stichwort WAMPP bzw. LAMPP) handelt es sich hierbei um Programme, die stand-alone funktionieren und häufig auch auf einem USB-Stick installiert werden können. Ähnlich wie Scribble Papers usw. dienen die Personal Wikis dazu Gedanken, Ideen, ToDo-Listen, Informationen u.v.m. einfach und schnell zu erfassen. Die Stärke dieser Programme liegt vor allem auf der für Wikis typischen einfachen Vernetzung der Informationen/Seiten untereinander durch Verlinkung.

wikidPad
Früher kommerziell, jetzt Open Source, versteht sich wikidPad12 als “IDE for your thoughts”. Features wie dynamische Views (zeigt alle Seiten an, die ein bestimmtes Schlagwort/Tag – hier Attribut genannt – haben), inkrementelle Suche, Suche mit regulären Ausdrücken, abspeichern von Suchen, Folding längerer Texte (gekennzeichnete Abschnitte können einfach eingeklappt werden – eine bekannte Technik im Bereich der Programmierung um Informationen die unwichtig sind auszublenden), Ausführen von Python Scripten und vieles mehr, machen Suche und Organisieren der eingetragenen Seiten einfach und wikidPad zu einem sehr mächtigen Informationstool.
Michael Butcher, der Hauptprogrammierer, versucht bekannte Techniken aus dem Programmiererumfeld auf Wikis zu übertragen. Da Informationsreduktion und schnelles, gezieltes Suchen nach relevanten Daten eine Hauptaufgabe für Programmierer ist, erscheint mir dieser Ansatz gut geeignet. Zumindest jeder, der bereits einmal programmiert hat, wird die vielen kleinen Features von wikidPad zu schätzen wissen. Die Grundidee ist aus meiner Sicht gut umgesetzt und bietet einen echten Mehrwert, der das Programm allen mir bekannten Personal Wikis deutlich überlegen macht. Ein ausführliches Hilfesystem, Projekt Wiki und die kontinuierliche Weiterentwicklung runden den positiven Gesamteindruck ab.

Das Programm ist als exe Datei für Windows erhältlich, funktioniert aber auch unter MacOS und Linux. Weniger mächtige Alternativen sind SdiDeskWiki und Notebook.

MoinMoin
MoinMoin13 ist eigentlich ein vollwertiges Multiuser Wiki System, ähnlich dem sehr bekannten MediaWiki14. Es gibt jedoch auch eine Desktop Version, die auf Mac, Linux und Windows Rechnern läuft. Bis auf ein paar Einschränkungen (siehe Homepage) bringt die Desktop Edition alle wichtigen Features des grossen “Server”-Bruders mit. Sicherlich einen Blick wert.

3. Informationen suchen

beagle
Für Linux User ist beagle15 derzeit die erste Wahl, wenn es um das Thema Desktop Suche geht. beagle durchsucht OpenOffice, Microsoft Office, PDF, TXT, RTF und HTML Dokumente, Bilder, Musikdateien, Videos, kürzlich besuchte Webseiten, Evolution und Thunderbird E-Mails/News uvm.

Äquivalente Programme für Windows sind u.a. Google Desktop Search16, Windows Desktop Search17 und xfriend18, unter MacOS gibt es Spotlight19

4. Informationen erstellen

kdissert
kdissert20 ist nur unter Linux erhältlich und ein Mindmapping-Tool und Dokument-Generator. Neben dem LaTeX, HTML und Java-Applet Export hat sich – zumindest bei mir – der Export als OpenOffice Writer Datei und/oder als OpenOffice Präsentation bewährt. Es ist so recht einfach, sich zu einem bestimmten Projekt zuerst eine Sammlung an Ideen und eine bestimmte Struktur in Form einer MindMap zu erstellen und diese dann zur weiteren Ausarbeitung bzw. Abgabe/Präsentation in ein Writer/Presenter Objekt zu überführen. Für jeden Studenten, Wissenschaftler und Angestellten lohnt sich der Blick darauf alle mal.

Eine umfassende Linksammlung/Programmübersicht zum Thema Mind Mapping und Informations Organisation findet sich hier.

GanttProject und TaskJuggler
Projekte – kleinere und größere – kommen in fast allen Lebensbereichen vor. Sei es der Bau eines neuen Hauses, einer Gartenlaube, die Entwicklung einer neuen Software, ein Umzug, eine Aufgabe in einem Verein die gelöst werden soll oder etwas anderes. Immer wenn Arbeiten über eine längere, aber begrenzte Zeit anfallen, mehrere Ressourcen (Personen, Geräte etc.) benötigt werden oder einfach nur ein Überblick über den zeitlichen Ablauf wünschenswert ist, schlägt die Stunde einer Projektmanagmentsoftware wie TaskJuggler21 oder GanttProject22.
Beide Programme sind Freeware. TaskJuggler ist jedoch nur für die Linux Plattform erhältlich und dürfte nur für einen eingeschränkten Nutzerkreis interessant sein, da die Projektplanung nicht wie bei anderen Tools mittels Maus-steuerung durchgeführt wird, sondern über eine Scriptsprache. GanttProject hingegen ist als Java Applikation auf allen Plattformen laufffähig, die eine Java VM haben (Linux, Windows, MacOS) und erscheint mir für kleinere Projekte durchaus geeignet. Für etwas komplexere Aufgaben lohnt es sich einen Blick auf OpenWorkbench23 zu werfen. Als Java Anwendung ist dieses Programm ebenfalls unter Linux lauffähig.

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Wissen []
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Information []
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Daten []
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Wissensmanagement []
  5. http://amb.vis.ne.jp/mozilla/scrapbook/ []
  6. http://home.arcor.de/jhoetger/scpapers/ []
  7. http://www.mhst.net/cuecards2/ []
  8. http://www.mhst.net/cuecards/ []
  9. http://www.tuxcards.de/ []
  10. http://www.gnome.org/projects/tomboy/ []
  11. http://makagiga.sourceforge.net/index.html []
  12. http://www.jhorman.org/wikidPad/ []
  13. http://moinmoin.wikiwikiweb.de/DesktopEdition []
  14. MediaWiki wird z.B. auch bei der Wikipedia eingesetzt []
  15. http://beagle-project.org/ []
  16. http://desktop.google.com/ []
  17. http://www.microsoft.com/windows/desktopsearch/default.mspx []
  18. http://www.xfriend.de/ []
  19. http://www.apple.com/de/macosx/features/spotlight/ []
  20. http://freehackers.org/~tnagy/kdissert.html []
  21. http://www.taskjuggler.org/ []
  22. http://ganttproject.biz/ []
  23. http://www.openworkbench.org/ []

11 comments to Wissensmanagement light – Tools für den (privaten) Desktop

  • Thomas

    super übersicht hat mir sehr geholfen – sowas wie scarp book habei ch schon immer gesucht gehabt …

  • Also mir würde noch so einiges einfallen:

    TiddlyWiki

    TotalTextContainer (leider nur für Win zur Verfügung, aber ein geniales Tool)

  • Thorsten Albrecht

    Infohesive verfolgt ein ähnliches Konzept wie ScribblePapers. Sieht auf den ersten Blick sehr gut aus, da es Attachements auch in einer Baumartigen Struktur verwalten kann (z.B. URLs, PDFs etc.).
    (http://www.2brightsparks.com/infohesive/index.html)

    Thorsten

  • Danke für Übersicht und Anmerkungen. Ich habe schon ziemlich viel ausprobiert: von Mindmanagement-Programmen mit brauchbarem Notizfeld (Mindmanager und Betaversion des letzten Freemind), Outliner, TiddlyWiki, um nur ein paar zu nennen.

    Seit Ewigkeiten schlage ich mich mit der Frage herum, wie ich die ganzen Texte, Textfragmente, Ideen, Entwürfe und Zitate zusammenhalten soll, welche mir durch den Kopf spuken, aus den Fingern fliessen und aus allen Richtungen zufliegen. Gestern kam mir endlich die Erleuchtung über eine Freeware-Software. “Zettelkasten” (http://zettelkasten.danielluedecke.de/), die kann alles was ich brauche und das ist nicht viel: Tagging, Verknüpfung von Artikeln und Fragmenten.

    Darüber hinaus hat sie eine Funktion “Schreibtisch” wo sich beliebige Einträge ähnlich wie in einem Outliner organisieren und als Dokument exportieren lassen.

    Definitiv einen Ausflug wert. Ich bin mehr als begeistert.

  • Tolle Auflistung. Ich bin auch immer wieder auf der Suche nach einem Tool, mit dem ich alle meine Dateien durchsuchen und verwalten kann. Derzeit nutze ich einfach Windows plus Copernic Desktop zum suchen. Das ist aber auch nicht befriedigend…

  • Das Thema Wissensmanagement ist auch der Schwerpunkt der I-KNOW 09 (http://i-know.tugraz.at/), welche vom 2. bis 4. September in Graz (Österreich) stattfindet. Dort gibt es auch eine äußerst spannende Podiumsdiskussion über die dunklen Seiten des Wissensmanagement und Web 2.0 (http://i-know.tugraz.at/praxisforum/professors4industry). Aspekte wie mangelnde Privacy und die zunehmende Transparenz über Menschen werden im akademischen Rahmen diskutiert.

    Das Themengebiet der I-KNOW 09 ist vielfältig: Future Internet, Wissenstechnologien, Knowledge Management Education sowie Wissensmanagement-Software and Services, Wissensmanagement in China, Semantic Web.

    Rund 400 internationale TeilnehmerInnen werden auf der I-KNOW 09 unter dem Generalthema „technologiegestütztes Wissensmanagement“ praxisnah innovative Konzepte und Anwendungen sowie Erfahrungen aus der erfolgreichen Integration von Web 2.0 und Semantischen Technologien in der Business-Welt diskutieren.

  • M. Jakobi

    Toller Artikel – hat mir sehr geholfen (wie übrigens auch die Kommentare), vielen Dank!
    Eine noch nicht genannte Alternative wäre “KeyNote NF” (http://sourceforge.net/projects/keynote-newfeat). Macht ebenfalls einen sehr ausgereiften Eindruck und ist neben “Scribble Papers” einer meiner Favoriten.

  • Maria Seliger

    Eine weitere Alternative für Informationen sammeln / Informationen erstellen ist der Zettelkasten nach Niklas Luhmann, der z. B. in diesem Programm Zettelkasten (http://zettelkasten.danielluedecke.de/) nachgebildet wird. Das Programm ist Freeware und plattformübergreifend (Java-Basis).

  • Benjamin Engels

    Klasse finde ich auch http://www.lexican.de/

  • Bianca Blüchel

    Das Programm “Web-Recherche” der Firma macropool kann ich nur empfehlen (arbeitet mit Scrapbook zusammen). Herunterladen, testen und staunen: http://www.macropool.de – macropool ist eine deutsche Firma in Weiden in der Oberpfalz. Es ist einzigartig.
    Ich bin Diplom-Übersetzerin (Mitglied im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer) und werde demnächst einen Artikel über die Web-Recherche schreiben (ADÜ-Infoblatt, kostenlos herunterladen bei http://www.adue-nord.de (Publikationen). Der Zettelkasten ist in der Aprilausgabe dran. Wer mich kontaktieren möchte, ich stehe in der BDÜ-Übersetzerdatenbank, die auf der Webseite des Verbandes für jeden zugänglich ist: http://www.bdue.de.

  • Dieter K

    Hallo,
    der erste Kommentar auf dieser Seite ist von 2007, der letzte von 2011. Sind die aufgeführten Tools noch aktuell, oder haben sie sich inzwischen überdauert?

    Ich bin sehr angetan von den aufgeführten Tools und möchte welche davon einsetzen, insbesondere scrapbook und scribble papers finde ich interessant.

    Danke für eine Rückmeldung

    Dieter

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>